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Ravensburg: Ansätze für ein virtuelles Bauamt

XPlanung und XBau sind standardisierte Datenformate, die vom IT-Planungsrat entwickelt und von der Bundesbauministerkonferenz für die Anwendung in kommunalen Softwarelösungen rund um die Bauleitplanung und im Baugenehmigungsverfahren beschlossen wurden. Sie dienen dazu, die Kommunikation in Planungs- und Baugenehmigungsverfahren zwischen allen Beteiligten (Planer, Bauträger, dritte Behörden, Verwaltungsmitarbeiter) in Verwaltung, Recht und Wirtschaft auf Basis einer Onlineplattform zu verbessern, indem alle Akteure „dieselbe Sprache“ sprechen. Beide Programme sind offen und lizenzkostenfrei. Die Einführung der Standards im Stadtplanungs- und im Bauordnungsamt sollen zum einen die Zusammenarbeit innerhalb des Baudezernats verbessern, wie auch den Datenaustausch mit externen Planern vereinfachen und den Genehmigungsprozesse transparenter gestalten. Über Schnittstellen zum Nutzerkonto der Website als auch zur hausinternen eAkte ist eine ganzheitliche Prozessumsetzung gewährleistet.

Bauanträge können so erstmals vollständig online gestellt, bearbeitet und genehmigt werden. Auch erfolgt eine automatische Fehlerprüfung durch die Software, wodurch Mitarbeiter von Routineaufgaben entlastet werden und mehr Zeit für anspruchsvolle Beratung und Einzelfallprüfungen haben; ebenfalls kann die Nachbarschaftliche Anhörung vollständig online erfolgen.

 

Zur Einführung ist bereits ein politischer Beschluss des Landes Baden-Württemberg erfolgt, der die Einführung bis 2023 vorsieht.

Die Stadt Ravensburg entwickelt mit den beteiligten Fachämtern eine Roadmap mit vorbereitenden Maßnahmen, die eine Einführung der Nutzung der Standards erleichtern. Hierzu gehören die Überprüfung der derzeit genutzten Softwarelösungen auf zukünftige Kompatibilität wie auch die Berücksichtigung der Kompatibilität bei Neuanschaffung von Software in der Bauverwaltung. Zudem werden Fragen nach Prozessanpassungen und -optimierungen erörtert und perspektivisch Berücksichtigung finden. Insbesondere im Bereich der Baugenehmigungsverfahren ist, durch eine Vielzahl an möglichen zu beteiligenden Stellen innerhalb sowie außerhalb des Baudezernats und einer hohen Komplexität der Prozesse, von einem erhöhten Aufwand bei der Prozessanpassung auszugehen.

 

Auf Bundes- und Landesebenen ist die Einführung des Building-Information-Modellings (B.I.M.) für öffentliche Bauvorhaben vorgesehen, welches Kommunen aber freigestellt ist.

Es ist damit zu rechnen, dass der Einsatz der BIM Methode bei der Planung von Gebäuden und Infrastrukturprojekten generell zunehmen dürfte. Daher sollte auch auf kommunaler Ebene nach Möglichkeiten gesucht werden diese Datenmodelle in frühen Planungs- und Genehmigungsprozessen einzusetzen und z.B. auch für Partizipationsformate nutzbar zu machen. Ziel sollte hierbei sein die Kompatibilität zu künftigen Schnittstellen (z.B. XBau, XPlanung) und bestehenden kommunalen Systemen (z.B. GIS) zu gewährleisten.

Meilensteine

Neben der Vorbereitung eines Maßnahmenkatalogs zur Einführung einheitlicher Standards soll ein digitaler Workflow projektspezifisch erprobt werden, der auch Partizipationsformate durch digitale Planungswerkzeuge unterstützt und erweitert. Hierbei soll der Einsatz eines virtuellen digitalen Stadtmodels helfen städtebauliche Projekte einfacher zu evaluieren und Entscheidungsprozesse zu erleichtern. In der Kombination aus virtuellem Stadtmodell und digitalen 3D Planungsdaten sollen (Echtzeit)-Evaluationsmethoden in Partizipationsformate eingebracht und untersucht werden. Neben der Überprüfung wie der Sichtbarkeit von neuen Baukörpern im Stadtbild, Variantenvergleich von Bauvolumen oder Bauhöhen oder verschiedene Blickachsen, können in einem digitalen Stadtmodell perspektivisch auch Lärm- und Schadstoffemissionen, Verschattungslinien oder Verkehrsszenarien abgebildet werden.

Die Integration von BIM Planungsdaten in ein digitales Stadtmodell bietet sich an, um im Zusammenspiel mit Bürgern, Bauträgern, politischen Entscheidungsträgern und der Stadtverwaltung als auch weiteren Behörden einen transparenten und offenen Dialogprozess zu führen.

Kontakt

 

Carola Grabher
Stabstelle Digitalisierung

Ravensburg
+49 751 82 220

Seestraße 22
88212 Ravensburg
Deutschland

Kontakt

 

Prof. Dr. Jörn von Lucke
Lehrstuhl für Verwaltungs- und Wirtschaftsinformatik
Zeppelin Universität
+49 7541 6009 1471

Am Seemooser Horn 20
88045 Friedrichshafen
Deutschland